Montag, 22. August 2016

Amok in der Männerdämmerung

Männlichkeitswahn ist sicher eine Reaktion auf die Ahnung, dass das Patriarchat weltweit in die Krise gekommen ist - aber das ist nicht alles

Eines der wunderbarsten Phänomene der Mediengesellschaft ist nach wie vor, dass sie nicht nüchtern und klar die offensichtlichste Tatsache im Zusammenhang mit Gewalt benennen kann: Gewalt ist überwiegend männlich. Das gilt auch für die jüngsten Schreckenstaten, die angeblich "den Terror nach Deutschland" brachten - als habe es vorher hierzulande noch nie Terror gegeben. Die Zahl schwerer Gewalttaten sinkt seit fast einem Jahrzehnt Jahr für Jahr, aber eine bemerkenswerte Anzahl von Männern findet nach wie vor Gefallen daran, gewalttätig blöd zu sein.

An Angeboten zum Aggressiven und autoaggressiven Ausagieren ist freilich kein Mangel. Religion, Sport, Krieg, Politik, Konsum, Wirtschaft, Sexismus, Rassismus sind da nur ein paar Beispiele. Nehmen wir nur das echte deutsche Heldentum während der Olympiade in Rio. Der Turner Andreas Toba verletzte sich bei seiner Turnerei schwer, machte aber unter größten Schmerzen weiter, und die Presse fand es so wunderbar wie seinerzeit Schweinis Feldzug als "Blutkrieger".

Die Selbstaufrüstung der Extremsportler, die aus sieben Kilometer Höhe ohne Fallschirm in ein Netz hageln oder sich gar aus dem Weltraum auf die Erde herunterstürzen, findet ihren Spiegel in den Aktionen von Jugendlichen, die ungesichert auf Kirchtürme steigen und oben ein Instagram-Foto von ihren Füßen über dem Abgrund machen.

Angebote für alle

Das ist genauso ein Aspekt der toxic masculinity wie die psychopathische Eiseskälte des Finanzdurchblickers, der gar nicht mehr anders kann als jede Mikrosituation daraufhin auszuloten, ob sie ihn im Wettbewerb mit all den anderen Finanzdurchblickern nach vorne bringt.

Der Islam ist ebenfalls eines der aktuellen Angebote, und zwar eines der wirkmächtigsten. Männern wird im Islam attestiert, dass ihre Herrschaft gottesgefällig ist. Dass Allah als projiziertes Größen-Ich des ihn verehrenden Mannes der beste von allen Göttern ist, steht ja wohl von vornherein fest. Noch schöner am Islam ist, dass er gleich zwei Typen von Testosteron-Junkies hervorbringt: den Dschihadisten und den Abendlandsverteidiger; beide mit Eiern aus Stahl und Köpfen voller Wirsing aus den Zeiten der Kreuzzüge.
mehr:
- Amok in der Männerdämmerung (Marcus Hammerschmitt, Telepolis, 21.08.2016)


Johannes Sadeler, Phyllis und Aristoteles, 16. hdt.,
Quelle: The Curious History of Phyllis on Aristotle,
Darin Hayton,  19.02.2016
mein Kommentar:
»Gewalt ist überwiegend männlich.«
Kopfschüttel, Kopfschüttel, Kopfschüttel… Immer vorsichtig mit den Interpretationen!
Nicht Gewalt ist überwiegend männlich, die Gewalt, von der berichtet wird, ist überwiegend männlich!
Das Problem, um das es geht, gleicht dem Bild Magrittes: »Ce n'est pas une pipe!«
Die Tatsache, daß über weibliche Gewalt nicht berichtet wird, bedeutet nicht, daß es sie nicht gibt!
Und die Tatsache, daß Frauen über Jahrhunderte unterdrück wurden, hat diese nach subtileren, nicht-körperlichen Formen suchen lassen, in denen sie ihre Aggressivität leben. Aber: die Emanzipation schreitet voran, auch auf dem Gebiet der körperlichen Gewalt!




Mittwoch, 17. August 2016

Fischer im Recht / Wahnsinn III – Störung, Wahn und Schuld

Zwei Meldungen vorab!
Erstens: Wir freuen uns, liebe Leserinnen und Leser, Ihnen mitteilen zu können, dass in der vergangenen Woche der Verein für Reinhaltung von Sprache, Meinung und Zitierung (RSMZ) gegründet wurde. Die Gründungsmitglieder entstammen höchsten Kreisen der Presse (3), der Justiz (2) sowie der Psychiatrie (1). Der Verein ist gemeinnützig und hat sich zum Ziel gesetzt, Schmutz und Schund in Kolumnen aufzuspüren, allenthalben für Mäßigung zu sorgen und der Erwähnung sekundärer oder gar primärer Geschlechtsmerkmale ein Ende zu setzen.

Der Kolumnist unterstützt diese Bemühung selbstverständlich vorbehaltlos. Insbesondere, da ihm kürzlich von einem alten Zigeuner prophezeit wurde, er werde unter dieser Voraussetzung ruhigen Herzens in Pension gehen dürfen. Von nun an wird er deshalb gnadenlos an den Gutachterausschuss des RSMZ melden, was ausgemerzt gehört!

Zweitens: In der vergangenen Woche haben wir aus den Medien – unter anderem – Folgendes gelernt: dass die strafprozessuale Durchbrechung der ärztlichen Schweigepflicht ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Terrorismus sei (Quelle: CDU plus Weltpresse), dass allen Schweinen der Schwanz (Achtung, FAZ!) abgeschnitten gehöre (Quelle: Lohfink, Weltpresse), und dass, falls Hillary C. Präsidentin werden sollte, allenfalls noch die National Rifle Association etwas gegen die Ernennung eines linksextremistischen Obersten Bundesrichters unternehmen könne (Quelle: Entenhausener Kurier). Man könnte das für Nachrichten aus einer Welt des Wahns halten. Sie stammen aber, wie die Quellen belegen, aus den Zentren zivilisatorischer Vernunft.

Preisverleihung

Den Kolumnistenpreis für den erhellendsten Beitrag der Woche erhält diesmal der Deutschlandfunk für ein bizarres Interview vom 9. August zwischen dem Moderator Tobias Armbrüster und der Journalistin Gisela Friedrichsen über die bevorstehende Entlassung des Strafgefangenen Dieter Degowski ("Gladbecker Geiseldrama") nach 30 Jahren Haftzeit (nachzuhören in der DLF-Mediathek).

mehr:
- Störung, Wahn und Schuld (Thomas Fischer, ZON, 16.08.2016)
Zitate:
[…] denn der Titel eines Gesetzes fällt nicht vom Himmel oder erscheint dem Bundestagspräsidenten im Traum, sondern ist das Ergebnis eines rechtspolitischen Wollens und Formens oder Sinnens: Die Fraktion, die sich durchsetzt, bestimmt auch den Titel des Gesetzes. Und wenn sie dazu der Hilfe einer Politikberatungsfirma bedarf, deren Partner aus einer Riege vordem bedeutender Elder-Fraktionsmen besteht, so ist das nur natürlich und nicht schlecht, sondern gut (wie Mao sagen würde).

Also heißt ein Gesetz, das die Förderung von Arbeitslosen einschränkt, "Gesetz zur Beschleunigung der Integration in den Arbeitsmarkt", ein Gesetz, das das Streikrecht beschränkt, "Gesetz zur Modernisierung der Arbeitnehmervertretung", ein Gesetz, das den Bürgern jede denkbare Möglichkeit nimmt, selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden, "Gesetz zur Sicherstellung der Lebensfreude".

Warum ist das so? Weil die Worte "Reform" oder "Modernisierung" etwas in uns anstoßen. Täten sie das nicht – jeder Politiker, jede Partei und erst recht jede Regierung miede sie. Niemand würde seinen Gesetzesvorschlag nennen: "Gesetz zur Rückwärtsorientierung" oder "Gesetz zur Rückgängigmachung der Reform…". Die Botschaft ist also ein stetes Vorwärts! Und sie trifft immerzu in die Seelen: Vorwärts, wohin auch immer! […]

Der Wahnsinn

Wenn Sebastian Schweinsteiger, ungedopt, aus Sicht von Mehmet S. dezent übergewichtig, untrainiert, in der 93. Minute gegen die Ukraine ein Tor schießt wie Günter Netzer (aus Sicht von Waldemar H. dezent adipös) im Pokalfinale von 1973, dann sagt der Maghrebiner: "Wahnsinn". Er meint damit natürlich nicht, dass der Schweini von 2016 geisteskrank geworden sei, sondern nur, dass die Wirklichkeit vor den Augen des Nordafrikaners soeben eine Form angenommen hat, die er für übernatürlich hielte, stünde das Gegenteil nicht fest. Aber das tut es.

Anders wäre es: Wenn zum Beispiel eine riesige blauweiße Wolke sich über das Stadion senkte, und eine Stimme käme aus dem Himmel wie aus tausend Marshall-Verstärkern, die da spräche: "Dies ist mein lieber Mittelstürmer, an dem ich Wohlgefallen habe", und dann liefe ein kleiner Mensch, der sich niemals selbst eingewechselt hat, ganz allein in einem Halbkreis gegen den Ball, in Super-Slow-Motion, und die Bananenflanke senkte sich von rechts herein, und Uwe Seeler stiege hoch und hoch, höher als jemals vor ihm ein Mensch gestiegen ist, und er legte sich quer in der Luft, drei Meter über dem braunen Rasen, und er zöge einen Seitfallrückzieher mit dem rechten Spann ins linke Lattenkreuz, und noch bevor er den Boden berührte, wäre er vom gnadenlosesten Treter aller Zeiten, Nobby Stiles, genannt Ohnezahn, schon wieder gefoult worden, aber egal. […]

Also werden wir auch die Sache mit dem Dschihad hinkriegen: Je sicherer wir unserer Welt sind, desto schneller. Denn der Dschihad kämpft, entgegen seinem durcheinandergeratenen Zeitgefühl, mitnichten gegen das Kreuzfahrertum oder die Geißlerzüge oder die Verzückung der heiligen Märtyrer, und daher auch nicht gegen das "Abendland": Er kämpft auch mitnichten für das, was er zu sein vorgibt: ein Gottesreich. Denn das, liebe Verzückte, haben wir längst hinter uns.

Der Dschihad kämpft in seinen Wurzeln gegen die Armut und die Dummheit, in seinen Formen aber gegen die Offenheit und die Freiheit, für die erbärmlichste ejaculatio violentiae und einen Streifen mehr auf dem Turnschuh und zwei Gramm mehr Koks im Hirn. Das macht die Sache unübersichtlich. Die Drogenmafia in Mittelamerika ist eine Degenerationsform des Dschihad. Der Dschihad ist ein zweitausend Jahre verspäteter Spartakus-Aufstand: Sklaven möchten Herren sein. […]

Was halten wir für "normal"? Uns selbst. Alles andere: irgendwie verrückt, oder zu dick, oder fehl am Platze. Was machen wir mit den Verrückten? Alle umbringen, sagt die Ameise. Alle therapieren, sagt der Therapeut. Alles schwierig, sagt der Soldat: Erst mal ein paar Panzerhaubitzen auffahren und die Lage stabilisieren. Und was dann?

siehe auch:
- Wahnsinn II: Wunder, Wahn und der Paragraf 20 (Thomas Fischer, ZON, 09.08.2016)
- Wahnsinn: Böse, verrückt oder ein Würstchen?: (Thomas Fischer, ZON, 02.08.2016)
- Serie Fischer im Recht bei ZON


Dienstag, 16. August 2016

Geld, der kollektive Fetisch

Philosophie Linke Denker haben die Religionen immer skeptisch betrachtet. Der Gott, der über alles herrscht, ist indessen das Geld

Muslimische Immigranten nötigen uns dazu, die Frage neu zu bedenken, wie Linke es mit der Religion halten. Auf der Flucht vor einem grausamen Krieg sind Hunderttausende zu uns gekommen, die einerseits die linke Bereitschaft zur Solidarität einfordern, viele von uns aber andererseits daran erinnern, dass sie doch eigentlich Religionsfeinde sind. Sind wir schon über die Rolle der Kirchen in unserer Gesellschaft empört, wird uns nun auch noch Hilfsbereitschaft Menschen gegenüber abverlangt, die dem Islam folgen, einer Religion, die bei einigen sogar als „besonders schlimm“ verschrien ist.

Manche Debatten unserer Tage zeigen denn auch, dass eine bedenkliche Schnittmenge entstanden ist zwischen nicht wenigen Linken und der AfD, deren Schlachtruf „Gegen die Islamisierung des Abendlands“ sie kaum etwas entgegenzusetzen haben. Und derweil verliert die Linkspartei Protestwähler. Sie ist über einen Antrag zerstritten, der die große Losung der Französischen Revolution, „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, durch „Freiheit, Gleichheit, Laizität“ ersetzen will.

Können sich Religionsfreie vorbehaltlos auf die Seite muslimischer Flüchtlinge stellen? Müssen sie nicht erst einmal deren Religion angreifen? Von der Beantwortung dieser Frage hängt vieles ab. Wie so oft aber steht die Frage selbst schon ihrer Beantwortung im Weg, weil sie eine Differenz überspringt. Denn es gibt zwei sehr verschiedene Arten, religionsfrei zu sein, die liberale und die marxistische. Liberale sind seit der Französischen Revolution Religionsfeinde gewesen. In Italien bekämpften sie erbittert den Kirchenstaat und reduzierten ihn auf den Vatikan. Vor der Revolution hatten viele ihrer Vorgänger, der Aufklärer, noch eher versucht, das Christentum neu zu interpretieren, besonders Immanuel Kant mit seiner Schrift Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (1793). Da aber der Katholizismus, in seiner Existenz bedroht, sich darauf nicht einließ, verhärteten sich die Fronten.

mehr:
- Kollektiver Fetisch (Michael Schäfer, der Freitag, 10.08.2016)
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Montag, 15. August 2016

Medizin und Marketing: »von Suggestionen befreien!«

Medizin Die Internistin Gisela Schott über Medizin und Marketing
mehr:
- „Wir müssen uns von Suggestionen befreien“ (Ulrichke Baureithel im Gespräch mir der Internistin Gisela Schott, der Freitag, 07.09.2016)
Zitat:
Es geht nicht an, dass Ärzte, die enge Verbindungen zur Pharmaindustrie unterhalten, in Kommissionen sitzen, in denen Krankheiten definiert, Grenzwerte festgelegt oder die Therapie-Leitlinien erarbeitet werden. In größerem Maßstab geht es aber auch um die klinische Arzneimittelforschung in Deutschland. Solange diese fast ausschließlich von der pharmazeutischen Industrie finanziert wird, wird man verzerrte Informationen erhalten.
siehe auch:
- Ist die Psychopharmakologie verrückt geworden? – Kapitalismus-infizierte Wissenschaft (Post, 31.01.2016)

Sonntag, 14. August 2016

Wie kommt die Welt in den Kopf?

Tendenz: Je seriöser die mit Gehirnforschung befassten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten, desto zurückhaltender sind sie mit ihren Äußerungen. Als zunehmend problematisch erweist sich in diesem Zusammenhang die ‚Ver- betriebswirtschaftlichung’ (auch) der Wissenschaften.
Die ‚Verbetriebswirtschaftlichung’ weiter Lebensbereiche nimmt zu: Gewinnorientie- rung, Nachfragepräferenzen und das Streben nach Effizienz erfassen immer mehr Lebensbereiche und unterwerfen sie einem Nützlichkeitskalkül. Diese Funktionalisie- rung hat auch die (Neuro-)Wissenschaften erfasst und bewirkt einen zunehmenden Erfolgsdruck. Nicht, ob etwas sinn-, wertvoll oder wünschenswert ist, entscheidet i. d. R., sondern ob es
• machbar oder
• durchsetzbar ist.

Das Sollen verblasst neben dem Können. Erfolg zählt vor allem – nicht Leistung. Und Erfolg wird einem Kosten-Nutzen-Kalkül unterworfen: Ist, was geleistet wird,
• vermarktbar (im Sinne von: verkäuflich)?
• lässt es sich öffentlichkeitswirksam präsentieren?
• stimmen Quote, Kurs oder Bilanz?

Die Konsequenzen bedauern vor allem seriöse Wissenschaftler selbst: Wer gezwun- gen wird, immer mehr Dritt- oder Projektmittel einzuwerben, muss sich zwangsläufig Marktmechanismen unterwerfen, Marketingaspekte berücksichtigen und feststellen, dass Zuschüsse – zu – häufig nach dem amerikanischen Sprichwort vergeben werden: 

„Das Rad, das am lautesten quietscht, wird zuerst geschmiert.“
Das allerdings führt häufig dazu, dass notwendige Grundlagenforschung zu Gunsten marktfähiger, spektakulärer, öffentlichwirksamer Projekte vernachlässigt wird.

Seriöse Gehirnforscher bemühen sich, hinreichend deutlich zu differenzieren zwischen dem
a) was mit großer Sicherheit feststeht (z. B. die Plastizität des Gehirns),
b) was vermutlich zutrifft (z. B. die sensiblen Phasen),
c) wasHypothesen,intelligenteSpekulationenu.a.sind(z.B.begünstigende Faktoren für das Lernen),
d) was als Mythos entlarvt worden ist bzw. werden sollte (z. B. "Hemisphären"- Rezeptologien).


Wichtiger Hinweis: Wenn im Folgenden – ausschließlich im Interesse besserer Lesbarkeit! – ‚dem’ Gehirn bestimmte Aktivitäten zugeschrieben werden („das Gehirn strebt an“, „entscheidet“...), bedeutet das nicht etwa eine Neurobiologisierung der Sprache:
Es handelt sich lediglich um eine Metapher bzw. um eine ‚Personifikation’! Eine an jeder Stelle hinreichend differenzierte Darstellung würde diese thesenartige Zusammenfassung stark verkomplizieren.


Inhaltlich korrekt: → Nicht etwa „das Gehirn“ strebt an, entscheidet oder wägt ab, sondern immer nur eine bestimmte Person entscheidet, denkt o. a. kraft ihres Gehirns.
Es ist unangemessen, dem biologische Organ Gehirn eine spezifische Subjektqualität zuzuschreiben. Leider gibt es immer noch zu viele Hirnforscher, die eine derartige Anthropomorphisierung („das Gehirn möchte...“) betreiben.

Also: ‚Das Gehirn’ denkt nicht – es funktioniert!

[…]
Das Gehirn hat keinen direkten Kontakt zur Umwelt. Damit die Nervenzellen des Gehirns erregt werden können, müssen elektromagnetische, mechanische, chemische u.a. Reize durch die Sinnesrezeptoren in neuroelektrische oder neurochemische Signale umgewandelt werden.
Im Gehirn existieren Nervenzellen unterschiedlichster Art. Aber alle haben dieselbe Funktion: Erregungen werden aufgenommen, verarbeitet und weitergeleitet (oder auch nicht!).
Mit der Transformation von Umweltreizen in neuronale Erregungen verschwinden alle spezifischen Eigenschaften, die diese Reize haben: Man kann nicht erkennen, ob die Erregung einer Nervenzelle im Gehirn von einer Licht- oder Schalldruckwelle o.ä. her- rührt. Alle Nervenzellerregungen sind im Prinzip gleich und können im Gehirn parallel miteinander verarbeitet werden.
Auch in diesem Zusammenhang gilt: Das „Lernen mit allen Sinnen“ ist auch evolutionsbiologisch notwendig, damit möglichst viele Sinnesreize verarbeitet werden und möglichst viele Kanäle, Seitenwege und Trampelpfade gebahnt werden können.
Modalitäten und Qualitäten von Sinnesreizen werden durch den Ort ihrer Verarbeitung im Gehirn festgelegt – unabhängig davon, woher die Erregung stammt.
Herkunft und Bedeutung der eintreffenden Erregungen erschließt das Gehirn auf der Basis komplizierter angeborener und erworbener Fähigkeiten.
Damit ein Reiz überhaupt als bedeutungstragendes Zeichen erkannt werden kann, muss das Gehirn entsprechend disponiert sein: Bedeutungen können nicht unmittelbar aufgenommen oder übertragen werden, sondern werden von jedem Gehirn individuell erzeugt und existieren nur innerhalb kompliziert interagierender Systeme

mehr:
- Prinzipielles zum menschlichen Gehirn, Vorbemerkung zum Kenntnisstand und zur Erkenntnisgewinnung (aus: Günther Behrens, Wie kommt die Welt in den Kopf? Prinzipielles zur Gehirnforschung nebst einigen Konsequenzen für das ‚gehirngerechte’ Lehren und Lernen in der vhs, Volkshochschulbverband Baden-Württemberg, 2009, PDF)
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Freitag, 12. August 2016

Tenno Akihito: Der hochrangigste Gefangene der Welt

Kolumne: Leicht gesagt. Japans Kaiser möchte erstmals in der 1700-jährigen Geschichte seines Amtes zurücktreten. Sein Wunsch ist nachvollziehbar: So wie Tenno Akihito lebt, ist er der wahrscheinlich hochrangigste Gefangene der Welt


Wer Kaiser ist, sagt nicht leicht: „Ich will nicht mehr.“ In Japan ist das nun erstmals geschehen seit mehr als anderthalb Jahrtausenden, sofern man weiß. Tenno Akihito will runter vom Chrysanthemen-Thron, auf den er 1989 kam. Seit einiger Zeit sucht er einen Weg in den Ruhestand. Doch das strenge Protokoll lässt das nicht zu, Gesetze dazu gibt es nicht und das Land ist schockiert.

Akihito ist nach traditioneller Zählweise der 125. Herrscher in Folge seit Gründung der kaiserlichen Dynastie vor etwa 1700 Jahren. Sein Vater, Tenno Hirohito, galt noch als Gott. Der Kaiser lebt hinter vielen Mauern und Gräben, verborgen und unzugänglich im Zentrum von Tokio.

Unerreichbar selbst für viele Staatsvertreter. Gewöhnliche ausländische Minister werden nicht zum Tenno vorgelassen. Selbst höchster Besuch, eingeladen vom Tenno selbst, darf nur strengst reguliert zu ihm. Wer dieses Zeremoniell erlebt hat, wird Akihitos Sehnsucht nach Flucht verstehen.
mehr:
- Japan: Der Kaiser will abdanken, darf aber nicht (Wulf Schmiese, Cicero, 03.08.2016)

Kaiser Akihito deutet Abdankung an [1:05]

Veröffentlicht am 08.08.2016
Der japanische Kaiser Akihito (82) hat in einer Videobotschaft an die Nation seinen Wunsch, abzudanken angedeutet. In der zehnminütigen Ansprache erklärte der Tenno, er befürchte, sein voranschreitendes Alter könne es ihm erschweren, seine Funktionen als Symbol des Staates auszuüben.

Es sei jedoch sein ernster Wunsch, dass die Funktionen des Tenno als Symbol des Staates ununterbrochen und ungehindert fortgesetzt werden können, sagte Akihito.

Der Kaiser vermied sorgfältig konkret über die Thron…
LESEN SIE MEHR: http://de.euronews.com/2016/08/08/jap...

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Der Tennō kam in Freizeithose [1:07]

Hochgeladen am 14.04.2011
Der japanische Tennō Akihito und Kaiserin Michiko haben zum erstenmal die von Erdbeben, Tsunami und Atom heimgesuchte Katastrophenregion besucht. Eine weite Reise - obwohl zwischen dem kaiserlichen Palast in Tokio und dem Obdachlosenlager von Asahi in Nordjapan nur 85 Kilometer liegen.
Das Kaiserpaar - sonst in der öffentlichkeit kaum zu sehen und wenn, förmlich perfekt gekleidet, wanderte aus Respekt vor den Opfern in simpler Freizeitkleidung durch die Reihen.

Majestät - die Tränen der Prinzessin Masako von Japan [Doku über Japan] [44:01]

Veröffentlicht am 21.11.2014
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➤Ich mache das alles weil ich die Japanische Kultur wirklich faszinierend finde und möchte dass diese Videos alle Japano-Fans erreichen.

Doku Beschreibung:
--" Das Japanische Kaiserhaus umfasst die Mitglieder der Familie des amtierenden Tennō, die repräsentative öffentliche Aufgaben übernehmen, sowie deren minderjährige Kinder. Nach der aktuellen Japanischen Verfassung ist der Tennō das Symbol des Staates und der Einheit des Volkes. Die anderen Mitglieder der kaiserlichen Familie übernehmen zeremonielle und soziale Aufgaben, haben aber keine Funktion in den Angelegenheiten der Regierung.
Die japanische Monarchie ist die älteste ununterbrochene Erbmonarchie der Welt. Das Kaiserhaus erkennt 125 legitime Monarchen seit der Thronbesteigung von Jimmu-tennō. Als Ahnherrin gilt die Sonnen-Kami Amaterasu-ō-mi-kami, die Jimmu den Auftrag und die Berechtigung zur Beherrschung Japans gegeben haben soll.
Die meisten Historiker schreiben den ersten vierzehn Tennō (Jimmu-tennō bis Chūai-tennō) eher legendären denn historischen Charakter zu. Der momentan regierende Tennō, Akihito, ist der 125. Monarch der offiziellen Chronologie. "--

Ich Wünsche euch viel spass beim gucken :)
Mit viel Liebe, Dareios Noburu.
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Donnerstag, 11. August 2016

Wie ein Werbespot Realitäten schafft

#Rio2016 Südsudan tritt zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen an. Für den Sprinter Mangar Makur Chuot endete die Nominierung bitter
Als 1988 die Olympischen Sommerspiele in Seoul stattfanden, war ich neun und ein fantasievolles Kind. Jedes Provinzbad, in dem ich mit meinem Schwimmverein Bahnen zog, wurde damals für mich zur olympischen Wettkampfstätte. Diese Strahlkraft haben die Spiele für mich lange schon verloren, aber ich erinnerte mich jetzt daran, als ich einen Spot mit der südsudanesischen Sprinterin Margret Rumat Rumar Hassan sah. Es ist ein Werbeclip von Samsung, Hauptsponsor in Rio. Wir sehen die Leichtathletin in den Katakomben eines Stadions, vor ihrem inneren Auge taucht ein Mädchen auf, das sie vor einer Wand mit Zeitungsartikeln anfeuert. „Local Girl Dreams of Rio“ steht als Schlagzeile über einem Foto der Sprinterin. Wir sehen dann Schüler in einer Dorfschule, Männer in einer Dorfkneipe, staubige Straßen und immer mehr Menschen, die Margret Rumat Rumar Hassan anfeuern, sie steigen in Busse und auf Motorräder, manche rennen nur ein Stück mit, ein paar steigen dann in ein Flugzeug. Als Hassan aus den Katakomben ins Stadion tritt, steht das Mädchen natürlich unter den Fans auf den Rängen.

„For those who defy barriers“ lautet der Slogan des Sponsors – für alle, die sich über Hindernisse hinwegsetzen. Man kann das zynisch finden, 60.000 Menschen sind Anfang August wieder binnen drei Wochen aus dem Südsudan geflohen, und natürlich stehen keine Flugzeuge für sie bereit. Laut Berichten des UNHCR wurden viele mit Waffengewalt daran gehindert, auch nur ins Nachbarland Uganda zu gelangen. Aber es ist nicht die Aufgabe von Werbespots, die Realität abzubilden.

mehr:
- Wenn ein Werbespot Realitäten schafft (Christine Käppeler, der Freitag, 11.08.2016)
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