Samstag, 16. Dezember 2017

Meditation: Freude und Anhaften

Die kleinen Momente bewussten Seins setzen Freude frei. Gewahr­sein setzt Freude frei, bewusstes Erleben trägt Freude in sich. Es tut so gut, wenn der Geist für einen Augenblick frisch und geeint ist, völlig da. Wer sich viele solche wohltuenden Momente schenkt, hat nie genug vom Meditieren! Vermutlich ist es das Nichtwollen, das dabei besonders wohltuend ist - absichtsloses, anstrengungsloses Gewahr­sein.
Das ist also anders, als wenn wir uns, um unabgelenkt zu bleiben, auf etwas konzentrieren, was normalerweise mit einer Anstrengung verbunden ist. Hier hingegen geht es um ein unabgelenktes Sein, das sich von selbst einstellt, wenn die Mechanismen, gegen die wir üb­licherweise ankämpfen müssen, um konzentriert zu bleiben, außer Kraft gesetzt sind. Es gibt niemanden mehr, der sich für verwickelnde Gedanken interessiert. Es gibt kein Interesse am Kommentieren, am Überlegen, was morgen kommt, am Nachdenken, was gestern war. Wenn das alles wegfällt und uns eine panoramische Motivation »beseelt«, ein offenes Herz, in dem alle, wir selbst inbegriffen, Platz haben, dann können wir anstrengungslos unabgelenkt sein. Zudem gibt genau dieses anstrengungslose Sein die Kraft, so gewahr zu sein.
Wenn Meditieren anstrengt, können wir uns fragen: »Was strengt eigentlich so an?« Dann bemerken wir die Muster des Wollens und Befürchtens. Etwas erreichen, verwirklichen oder sein zu wollen und die damit einhergehenden Befürchtungen, es nicht zu erreichen oder zu sein - das ist anstrengend!
Offenes Gewahrsein ist wie ein erfrischender Quell oder Brunnen.
Nicht, dass wir deswegen etwa nicht mehr schlafen müssten, aber Gewahrsein wirkt vitalisierend und nährend und wird als zutiefst wohltuend erlebt. Sich nach dem Meditieren zu sehnen, besonders wenn wir müde sind, zeigt, dass wir auf wohltuende Weise meditieren. So können wir sogar abends noch in die Frische finden, wenn wir
nicht mit Absichten meditieren, die uns zusätzlich ermüden. Und Karmapa schreibt weiter:
»übe dich mit zunehmender Gewöhnung darin, unter keinen Umständen – seien sie gut oder schlecht, [angenehm oder unangenehm,} umgeben von vielen oder von wenigen Menschen [oder auch ganz allein] – von diesem klaren, nicht fassbaren Gewahrsein frei von Anhaften abzuschweifen.«35

Diese Instruktion kann dazu verleiten, an der Weite dieses Gewahr­seins zu haften, weil wir den weiten Geist so genießen, dass wir nur in dieser Weite bleiben wollen und das eigentliche, konkrete Erleben als störend erleben. Die Präzision des Gewahrseins finden wir jedoch in genau diesem unmittelbaren, direkten Erleben - also wirklich mit­zubekommen, wie es ist zu spüren, zu hören, zu sehen, zu sprechen, zu riechen, zu schmecken, zu denken usw. Es ist wichtig, sich dem Erleben zuzuwenden und nicht in innere Schutzräume zu flüchten, wo uns das Leben nicht mehr aufsucht. Wenn wir eine Ablehnung gegenüber den Erfahrungen der sechs Sinne spüren, dann hilft es, bewusst geistige Bewegungen einzuladen: zu denken, zu fühlen und
dabei gewahr zu bleiben.
Wenn wir bemerken, dass der Körper sich beim Sitzen versteift,
können wir bewusst eine kleine Bewegung machen, die aus der Fixierung heraushilft. Das mag zwar etwas übertrieben sein, aber man kommt dadurch mit Sicherheit aus der Starre heraus. Das Gleiche gilt für den Geist: Wenn wir spüren, dass eine Art innere Verfestigung eingesetzt hat, dann können wir absichtlich geistige Bewegung er­zeugen, seien es Gedanken, Bilder oder dergleichen, um aus der Starre und der Abwehr herauszukommen.




siehe auch:
x

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Schwarmintelligenz

Kollektive Intelligenz, auch Gruppen- oder Schwarmintelligenz genannt, ist ein emergentes PhänomenKommunikation und spezifische Handlungen von Individuen können intelligente Verhaltensweisen des betreffenden „Superorganismus“, d. h. der sozialen Gemeinschaft, hervorrufen. Zur Erklärung dieses Phänomens existieren systemtheoretischesoziologische und philosophische Ansätze.
Eine frühe Formulierung des Grundgedankens der Kollektiven Intelligenz findet sich in Aristoteles’ Summierungstheorie.
Francis HeylighenKybernetiker an der Vrije Universiteit Brussel, betrachtet das Internet und seine Nutzer als Superorganismus: „Eine Gesellschaft kann als vielzelliger Organismus angesehen werden, mit den Individuen in der Rolle der Zellen. Das Netzwerk der Kommunikationskanäle, die die Individuen verbinden, spielt die Rolle des Nervensystems für diesen Superorganismus.“ Der Schwarm ersetzt das Netzwerk dabei also nicht, sondern bildet die Basis. Diese Sicht geht konform mit der Betrachtung des Internets als Informationsinfrastruktur. Die Bedeutung des Begriffes verschiebt sich dabei jedoch weg von künstlicher Intelligenz hin zu einer Art Aggregation menschlicher Intelligenz. [Kollektive Intelligenz, Wikipedia, abgerufen am 14.12.2017]
==========

siehe auch:
- Schwarmintelligenz Manuskript: Weniger dumm im Kollektiv (Frank Grotelüschen, Deutschlandfunk, 14.12.2017)
- Teamarbeit: Gruppen neigen zu extrem dummen Entscheidungen (Bernd Kramer, ZON, 05.12.2017)

Die Weisheit der Vielen - Schwarmintelligenz des Menschen {2:23}

Veröffentlicht am 09.11.2014
Frank Fraktalist
Wieviele Bonbons sind im Glas? Schätzung, Schwarmintelligenz der Masse, Die Weisheit der Vielen
Ausschnitt aus "Der Code - Die Berechnung der Welt" Teil 3

- Wann wird Schwarmintelligenz zur Schwarmdummheit? (Diana Ludwig, Blogsheet, 14.01.2014)
SWR Schwarmintelligenz: Die intelligente Masse (12.09.2013, SWR, ARD Mediathek, verfügbar bis 11.09.2018)
- Die Mensch-Maschine: Den Schwarm interessiert nur das Ergebnis (Sascha Lobo, SPON, 02.04.2013)
- Schwarmintelligenz – Gemeinsam sind wir dümmer (Holger Dambeck, SPON, 17.05.2011)
- Schwarmintelligenz und die Weisheit der Vielen: Riesenexperiment in Bremen (Jessica Riccò, ScienceBlogs, 25.08.2008)
- Biologen dementieren die Schwarmintelligenz (Matthias Glaubrecht, N24, 08.08.2008)
- Schwarmintelligenz am Menschen erforscht (N24, 13.03.2007)
- Schwarm-Experiment: Menschen sind auch nur Fische (Holger Dambeck, SPON, 12.03.2007)


Mittwoch, 13. Dezember 2017

Widerstand in der Psychoanalyse

Widerstand
engl.: resistance – frz.: résistance – ital.: resistenza – port.: resistência – span.: resistencia.
Im Verlaufe der psychoanalytischen Behandlung nennt man all jenes ›Widerstand‹, was in den Handlungen und Worten des Analysierten sich dem Zugang zu seinem Unbewußten entgegenstellt. In Ausweitung des Begriffs hat Freud von Widerstand gegen die Psychoanalyse gesprochen, um eine Oppositionshaltung gegen deren Entdeckungen zu bezeichnen, soweit diese die unbewußten Wünsche wachrufen und dem Menschen eine »psychologische Kränkung« auferlegen (α).
Der Widerstandsbegriff wurde von Freud frühzeitig eingeführt; man kann sagen, daß er am Beginn der Psychoanalyse eine entscheidende Rolle gespielt hat. Tatsächlich hat Freud auf die Hypnose und die Suggestion hauptsächlich deshalb verzichtet, weil der massive Widerstand mancher Patienten gegen diese Methoden ihm legitim erschien (ß), andererseits weder überwunden, noch gedeutet werden konnte (y), was dagegen durch die psychoanalytische Methode möglich wird, soweit sie das progressive Erhellen der Widerstände erlaubt, die sich besonders durch die verschiedenen Weisen ausdrücken, auf die der Patient die Grundregel verletzt. In den Studien über Hysterie (1895) findet sich eine erste Aufzählung verschiedener klinischer Widerstandsphänomene, evidenter oder diskreter Natur (Ia).
Der Widerstand wurde als ein Hindernis für die Erhellung der Symptome und das Fortschreiten der Behandlung entdeckt. »Der Widerstand, der endlich das [therapeutische] Arbeiten versagt ... « (2a; δ). Dies Hindernis sucht Freud zunächst durch Beharrlichkeit – die dem Widerstand entgegengesetzte Kraft – und Überredung zu überwinden, bevor er im Widerstand ein Mittel erkannte, um den Zugang zum Verdrängten und zum Geheimnis der Neurose zu erlangen. Tatsächlich sind es die gleichen Kräfte, die man beim Widerstand und der Verdrängung am Werk sieht. In diesem Sinne bestand jeder Fortschritt der analytischen Technik, was Freud in seinen technischen Schriften betont, in einer richtigeren Einschätzung des Widerstandes, nämlich der klinischen Gegebenheit, daß es zur Aufhebung der Verdrängung nicht genügt, den Patienten den Sinn ihrer Symptome mitzuteilen. Wir wissen, daß Freud die Deutung des Widerstandes und der Übertragung immer als die spezifischen Eigentümlichkeiten seiner Technik betrachtet hat. Mehr noch, die Übertragung* muß teilweise selbst als ein Widerstand angesehen werden, insofern sie die verba­lisierte Erinnerung durch die agierte Wiederholung ersetzt. Man muß hinzufügen, daß der Widerstand die Übertragung benutzt, sie aber nicht konstituiert.
Zur Erklärung des Widerstandsphänomens sind Freuds Ansichten schwieriger herauszuarbeiten. In den Studien über Hysterie formuliert er die folgende Hypothese: Man kann die Erinnerungen je nach dem ihnen anhaftenden Widerstandsgrad in konzentrischen Schichten um einen zentralen, pathogenen Kern gruppiert sehen; im Laufe der Behandlung vermehrt so jeder Übergang von einem Kreis zu einem dem Kern nähergelegenen den Widerstand (Ib). Bereits damals macht Freud aus dem Widerstand eine Manifestation, die zur Behandlung und zur Erinnerung gehört, die die Behandlung fordert. Eine Manifestation, deren Kraft die gleiche ist wie diejenige, die vom Ich auf die peinlichen Vorstellungen ausgeübt wird. Er scheint den eigentlichen Ursprung des Widerstandes dennoch in einem Abstoßen zu sehen, das von dem Verdrängten als solchem herrührt, von seiner Schwierigkeit, zum Bewußtsein zu gelangen und besonders vom Subjekt akzeptiert zu werden. So finden wir hier beide Erklärungselemente: Der Widerstand wird durch seine Entfernung zum Verdrängten bestimmt; andererseits entspricht er einer Abwehrfunktion. In den technischen Schriften wird diese Doppeldeutigkeit beibehalten.
Aber mit der zweiten Topik wird der Akzent auf den Abwehraspekt gelegt, eine, wie Freud in mehreren Arbeiten betont, vom Ich ausgeübte Abwehr. »Das Unbewußte, das heißt das ›Verdrängte‹, leistet den Be­mühungen der Kur überhaupt keinen Widerstand, es strebt ja selbst nichts anderes an, als gegen den auf ihm lastenden Druck zum Bewußtsein oder zur Abfuhr durch die reale Tat durchzudringen. Der Widerstand in der Kur geht von denselben höheren Schichten und Systemen des Seelenlebens aus, die seinerzeit die Verdrängung durchgeführt haben« (3). Diese beherrschende Rolle der Ichabwehr hält Freud bis zu einer seiner letzten Schriften aufrecht: »… die Abwehrmechanismen gegen einstige Gefahren (kehren) in der Kur als Widerstände gegen die Heilung wieder. Es läuft darauf hinaus, daß die Heilung selbst vom Ich als eine neue Gefahr behandelt wird« (4a). Die Analyse der Widerstände unterscheidet sich aus dieser Perspektive nicht von der Analyse der permanenten Abwehrmechanismen des Ichs, wie sie in der analytischen Situation unterschieden werden (Anna Freud).
Freud behauptet ausdrücklich, der offenkundige Ich-Widerstand genüge nicht, um die beim Fortschritt und der Vollendung der analytischen Arbeit auftretenden Schwierigkeiten zu erklären. Der Analytiker trifft in seiner Erfahrung auf Widerstände, die er nicht auf Ich-Veränderungen* zurückführen kann (4b).
Am Ende von Hemmung, Symptom und Angst (1926) unterscheidet Freud fünf Widerstandsformen. Davon hängen drei mit dem Ich zusammen: die Verdrängung, der Übertragungswiderstand und der sekundäre Krankheitsgewinn, der sich »… auf die Einbeziehung des Symptoms ins Ich gründet«. Weiter muß man noch mit dem Widerstand des Unbewußten oder des Es und dem des Über-Ichs rechnen. Der Widerstand des Unbewußten, »… die Macht des Wiederholungszwanges, die Anziehung der unbewußten Vorbilder auf den verdrängten Triebvorgang…«, macht technisch das Durcharbeiten* notwendig. Der Über-Ich-Widerstand schließlich leitet sich von dem unbewußten Schuldgefühl und dem Strafbedürfnis ab (5a) (siehe: Negative therapeutische Reaktion).
Der Versuch der metapsychologischen Gliederung des Widerstandes befriedigte Freud nicht, macht aber wenigstens deutlich, daß er sich immer geweigert hat, das inter- und intrapersonale Phänomen des Widerstandes den der Ichstruktur inhärenten Abwehrmechanismen gleichzusetzen. Die Frage: wer widersteht, bleibt offen und problematisch für ihn (ε). Über das Ich hinaus, »… das an seinen Gegenbesetzungen festhält…« (5b), muß man als letztes Hindernis für die analytische Arbeit einen radikalen Widerstand anerkennen, über dessen Natur Freuds Hypothesen variierten, der aber jedenfalls nicht auf die Abwehroperationen reduzierbar ist (siehe: Wiederholungszwang).

(α) Ein Gedanke, der bereits 1896 auftaucht: »…Ich […] habe aber Anfeindungen und lebe in solcher Isolierung, als ob ich die größten Wahrheiten gefunden hätte« (2b).
Zu »Kränkung« vgl. Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse (1917) (6).
(ß) » Wenn ein Kranker, der sich nicht gefügig zeigte, angeschrieen wurde: Was tun Sie denn? Vous vous contrcsuggestionnez!, so sagte ich mir, das sei offenbares Unrecht und Gewalttat. Der Mann habe zu Gegensuggestionen gewiß ein Recht, wenn man ihn mit Suggestionen zu unterwerfen versuche« (7).
(γ) Freud macht der Suggestionstechnik »… den Vorwurf, daß sie uns die Einsicht in das psychische Kräftespiel verhüllt, z.B. uns den Widerstand nicht erkennen läßt, mit dem die Kranken an ihrer Krankheit festhalten, mit dem sie sich also auch gegen die Genesung sträuben ... « (8).
(δ) Vgl. die Definition des Widerstands in Die Traumdeutung (1900): »Was immer die Fortsetzung der Arbeit stört, ist ein Widerstand, (9).
(ε) Man kann sich auf die Arbeit von E. Glover, The Technique of Psycho-Analysis (1955) beziehen. Nach einer methodischen Aufstellung der durch die Analyse zutagetretenden Widerstände und der permanenten Abwehrmechanismen des seelischen Apparates erkennt der Autor die Existenz eines Residuums an: »Nachdem die Möglichkeiten des Ich- und Über-Ich-Widerstandes ausgeschöpft sind, müssen wir erkennen, daß eine ganze Skala von Verhaltensweisen immer wieder dargeboten wird […] Zunächst erwarteten wir, daß durch Beseitigung der Ich- und Über-Ich-Widerstände so etwas wie eine automatische Druckentlastung eintreten würde, daß die Entlastung entweder explosiv und offen einsetzen, oder daß eine andere Manifestation der Abwehr die freigesetzte Energie sofort binden würde, wie es bei übergangsbildungen geschieht. Statt dessen scheinen wir dem Wiederholungszwang ein Schnippchen geschlagen zu haben und das Es hat sich der geschwächten Ichabwehr bedient, um eine steigende Anziehung auf vorbewußte Darstellungen auszuüben« (10).

(1) Freud, S.,
a) G. W., 1, 280; S. E., II, 278; frz., 225.
b) G. W., 1, 284; S. E., II, 289; frz., 234.
(2) Freud, S., Aus den Anfängen der Psychoanalyse, 1887-1902.
a) Brief vom 27.10.97: dtsch., 240; engl., 226; frz., 200.
b) Brief vom 13.3.1896: dtsch., 172; engl., 161; frz., 143.
(3) Freud, S., Jenseits des Lustprinzips, 1920. G. W., XIII, 17: S. E., XVIII, 19; frz., 19.
(4) Freud, S., Die endliche und die unendliche Analyse, 1937.
a) G. W., XVI, 84; S. E., XXIII, 238; frz., 24-25.
b) Vgl. G. W., XVI, 86; S. E., XXIII, 241; frz., 27.
(5) Freud, S.,
a) Vgl. G. W., XIV, 191-193; S. E., XX, 158-160; frz., 87-89.
b) G. W., XIV, 191-193; S. E., XX, 158-160; frz., 87-89.
(6) Vgl. Freud, S., G. W., XII, 1-26; S. E., XVII, 137-144; frz., 137-147.
(7) Freud, S., Massenpsychologie und Ich-Analyse, 1921. G. W., XIII, 97; S. E., XVIII, 89; frz., 99.
(8) Freud, S., Über Psychotherapie, 1904. G. W., V, 18; S. E., VII, 261; frz., 14.
(9) Freud, S., G. W., II-III, 521; S. E., V, 517; frz., 427.
(10) Glover, Ed., Baillière, London, 1955, 81.

aus: J. Laplanche, J.-B. Pontalis, Das Vokabular der Psychoanalyse, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 15. Aufl. 1999, S. 622ff.

Von einer Patientin.
 Danke!



Samstag, 9. Dezember 2017

Einsamkeit

Allein und unglücklich zu Hause: Gerade an Heiligabend ist das für viele eine Horrorvorstellung. Experten sprechen von einem belastenden Lebensereignis - und haben Ratschläge für weniger Einsamkeit. Aber Einsamkeit - was ist das eigentlich?
Auf seine Familie kann der 63-jährige Verkäufer einer Straßenzeitung an Heiligabend nicht bauen. "Ich lebe seit vielen Jahren alleine." Zuvor war er wohnungslos. Zu seinen Söhnen habe er schon lange keinen Kontakt mehr, sagt Michalzik. Deshalb wird er auch in diesem Jahr an Heiligabend eine Weihnachtsstube - eine Art öffentliche Weihnachtsfeier - an seinem Wohnort Hannover besuchen. "Oder soll ich etwa zuhause rumhocken?"

Zu der Weihnachtsstube des Diakonischen Werks in Hannover kommen rund 100 Menschen, sagt Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes. Das Publikum bei Kartoffelsalat, Bockwürsten und Weihnachtsgeschichte sei gemischt: 70 Prozent seien Wohnungslose oder Armutsbevölkerung. 30 Prozent der Besucher seien aus dem eher bürgerlichen Milieu. "Es gibt ein gemeinsames Interesse, nämlich an Heiligabend nicht alleine zu sein."

mehr:
- Zu Weihnachten besonders hart: Wenn Einsamkeit krank macht (n-tv, 09.12.2017)

Freitag, 8. Dezember 2017

Mahāmudrā – Erleben statt Bewahren


Mahamudra (skt.tib.phyag rgya chen po; auch: Chag Chen; deutsch: Großes Siegel bzw. Großes Symbol) ist ein zentraler Begriff in den Schulen der „Neuen Übersetzungen“ (Sarma) des tibetischen Buddhismus.
Mahamudra bezeichnet in diesen Schulen (zu denen die Kagyü-, Sakya- und Gelug-Schule zählen) die höchsten buddhistischen Lehren als die „Grundlage“, auf welcher die Meditationspraxis fußt; die auf diesen Lehren beruhende Praxis selbst als den „Pfad“; und die durch diese Praxis erreichte Erleuchtungserfahrung als die letztlich erreichte „Frucht“. Man spricht daher auch vom „Grundlagen-, Pfad- und Frucht-Mahamudra“.
Die Lehre der Mahamudra basiert auf verschiedenen Stufen meditativer Praxis, den sogenannten „Vier Yogas der Mahamudra“:
  1. Die Entwicklung eines einsgerichteten Geistes,
  2. Die Transzendierung konzeptueller Vorstellungen,
  3. Die Kultivierung der Sicht, dass alle Phänomene von grundlegend nichtdualer Natur, „ein Geschmack“ sind,
  4. Die Frucht des Pfades, der jenseits der Anstrengung der Meditation liegt.
Es wird gesagt, dass durch diese vier Stufen der Praktizierende die vollständige Verwirklichung der Mahamudra erlangt. [aus Mahamudra, Wikpedia, abgerufen am 08.12.2017]
==========
Um nach einer schönen meditativen Erfahrung nicht in meditative Starre zu fallen, richten wir uns einfach wieder auf die gegenwärtige Erfahrung aus. Wir können uns dazu den Impuls geben: »Vergangen ist vergangen, die Erfahrung von eben ist vorbei und ich bin einfach so mit dem, was jetzt ist.« Denn sonst finden wir uns schnell dabei wieder, dieses Fließende, Offene, das uns so gut getan hat, festhalten zu wollen. Vermutlich hat das jeder schon erlebt. Wenn das geschieht, sind wir nicht mehr im Erleben, sondern im Bewahren. Das ist das Ende des frischen Gewahrseins und nicht mehr Mahāmudrā. Wir versuchen, unsere Meditation zu konservieren. Übertrieben ausgedrückt, werden wir zu einer Meditationsleiche – wir mumifizieren unseren Geisteszustand. 

Ich selbst bin in meinem ersten Retreat offenbar monatelang in solch ein bewahrendes Meditieren gerutscht. Zum Glück hat mich Gendün Rinpoche darauf hingewiesen. Man erlebt dabei scheinbar offene, ruhige Geisteszustände, die aber nicht wirklich frisch sind, da es subtil um ein Bewahren der Ruhe geht. Sinneseindrücke und andere geistige Bewegungen werden dabei ausgeklammert. Frische Gewahrseinspraxis hingegen bezieht alles mit ein, beim sitzenden Meditieren wie auch beim Handeln. 


Auch beim Sprechen kann man sich üben, dieses freie Gewahrsein wachzuhalten, ohne etwas zu erwarten oder zu befürchten, ohne sich in etwas zu verstricken. Das kann uns sehr dabei unterstützen, keine Angst vor anderen Menschen oder vor Fehlern zu haben. Es geht darum, alles zu nehmen, wie es ist, ohne Kommentar. Sein, mit einer klaren inneren Ausrichtung, die durch uns wirkt, ohne dass es ein wollendes Ich braucht. Diese liebevoll wissende innere Kraft, die alle Situationen gestaltet und alle einbezieht, ist Bodhicitta. Es ist ein liebevolles Gewahrsein, offen und empfindsam, das weise durch uns wirkt. Wir könnten es vielleicht so ausdrücken, dass wir zum Werkzeug dieses Gewahrseins werden – das normale Ich wird zum Werkzeug dessen, was weiter, unbesorgter und offener ist als das gewöhnliche Selbst. 


Der neunte Karmapa schreibt zu der Gewahrseinspraxis nach der formellen Meditation:

»Bleibe zunächst unabgelenkt [in diesem nicht greifenden Gegenwartsbewusstsein] solange du kannst: für die Dauer, in der du einen Bissen Nahrung oder eine Schluck Tee zu dir nimmst, ein Mantra zitierst oder nach dem Aufstehen [von der Meditation] drei Schritte gehst.«
Wenigstens für drei Schritte – wie oft haben wir das schon gehört und wie oft vergessen wir es! Gewahr sein für einen Schritt, ein Einatmen, ein Ausatmen, einmal Schlucken, einmal den Kopf nach rechts wenden, ihn wieder in die Mitte zurück gleiten lassen. Ganz kurze Praxisperioden, so kurz, dass wir uns nicht verspannen.

(aus: Tilmann Lhündrup Borghardt,‎ Fred von Allmen,‎ Ursula Flückiger, Mahamudra und Vipassana: Gewahr Sein. Retreat-Unterweisungen, Norbu Verlag, Badenweiler, Mai 2015, S. 96f.)






Da ist beispielsweise die Geschichte des Bahiyers Daruciriyo, der, zutiefst beunruhigt ob der Kürze und Ungewissheit des Lebens und zugleich an der Wirksamkeit seiner eigenen spirituellen Übung zweifelnd, den Buddha bei dessen Almosengang um Belehrung bittet, ja ihn geradezu bedrängt. Schließlich erhält er Antwort: 

„Was das angeht, Bahiyer, kannst du dich so üben:
Gesehenes gelte dir nur als Gesehenes,
Gehörtes nur als Gehörtes,
sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes,
Erkanntes nur als Erkanntes.
So kannst du dich üben, Bahiyer.
Wenn dir Gesehenes nur als Gesehenes,
Gehörtes nur als Gehörtes gelten wird,
sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes,
Erkanntes nur als Erkanntes,
dann bist ‚du‘ nicht ‚dort‘, Bahiyer,
dann ist ‚das‘ nicht ‚deine‘ Sache,
dann Bahiyer, bist ‚du‘ weder ‚hier‘ noch ‚jenseits‘ noch ‚dazwischen‘:
Das eben ist das Ende des Leides.”

Als der Bahiyer Daruciriyo vom Erhabenen diese kurze Lehrdarlegung erhalten hatte, wurde sein Herz ohne Anhangen von Beeinflussung frei.« Er hatte die höchste Erkenntnis und damit ‚Erleuchtung‘ oder ‚Nirvana‘ erlangt. 

(Gekürzt nach: Verse zum Aufatmen. Die Sammlung Udana und andere Strophen des Buddha und seiner erlösten Nachfolger. Aus dem Palikanon übersetzt von Fritz Schäfer, Verlag Beyerlein und Steinschulte, Herrnschrot o.J. (1999), S. 12f.) 

siehe dazu auch: 
Die Dakini bittet zum Tanz – eine Gelegenheit, sich von Wahrheit verführen zu lassen 
von Rüdiger Dhammaloka Jansen (veröffentlicht 2002) 


siehe auch:

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Japanische Frauen sind zu müde, um nach einem Liebespartner zu suchen

Nach einer Umfrage stresst die Arbeit die Frauen, die dennoch gerne heiraten würden, was wiederum die Männer stresst - und dann sind da noch die Parasiten-Singles

Es gibt immer einmal wieder Umfrageergebnisse aus Japan – und auch in anderen Ländern – , die zeigen, dass es mit den sexuellen zwischenmenschlichen Kontakten nicht mehr so recht klappt. Die sexuelle Enthaltsamkeit in dem Land, das am stärksten vergreist und mit die geringste Fertilitätsrate hat, steigt, immer mehr bleiben nicht nur Singles, sondern partnerlos, auch bei den verheirateten Paaren ist die Sexlosigkeit auf eine Rekordniveau gestiegen.

Bei einer Umfrage, die im Februar veröffentlicht wurde, stellte sich auch wieder heraus, dass das Begehren nach Sex mit einem menschlichen Partner - nach Sexrobotern wurde noch nicht gefragt - auch unter jungen Menschen wenig ausgeprägt ist. Unter den 18-24-Jährigen Singles hatten 47,9 Prozent der Männer und 52,9 Prozent der Frauen noch niemals Geschlechtsverkehr. Die Verheirateten gaben als Grund für die verschwundene Sexlust vorwiegend an, von der Arbeit erschöpft zu sein oder dass Sex Mühsal ist, also nur noch mehr Arbeit und keine Lust verursacht (Sex ist Mühsal).

Eine aktuelle Umfrage ergab nun, dass 60 Prozent der heiratsfähigen, aber noch nicht verheirateten Frauen sagen, sie seien einfach nicht entspannt genug, um an Liebesbeziehungen interessiert zu sein. Frauen scheinen, so Japan Times, nun ebenso überarbeitet zu sein wie vormals die Männer mit langen Arbeitszeiten und kaum Urlaub.

Das geht so weit, dass immer mal wieder Menschen, zunehmend Frauen, an Karoshi, also an Überarbeitung sterben. Dazu zählen Suizide, aber auch Todesfälle durch Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Es ist ziemlich gewöhnlich, dass Arbeitnehmer mehr als 80 Überstunden im Monat machen. Die Regierung will die Arbeitszeit langfristig auf 60 Wochenstunden herunterbringen und darauf einwirken, dass der Urlaub auch wirklich genommen wird. Vielleicht hätten dann die Japaner schon alleine aus Langeweile wieder mehr Lust am Sex - und vielleicht auch am Kinderkriegen?

Die befragten Frauen geben an, auch zu müde zu sein, um unter Arbeitskollegen nach Partnern zu suchen oder zufällige Dates wahrzunehmen, weil das zu stressig sei. Von den Frauen, die sich aufraffen, hin und wieder auszugehen, sagt ein Viertel, sie seien schon einmal während eines Dates eingeschlafen. Das mag an ihrer Müdigkeit liegen, vielleicht aber auch an der Langeweile der (ebenso müden?) Männer. Allerdings würden Liebesbeziehungen überbewertet, sie seien anstrengend und unbefriedigend.

mehr:
- Japanische Frauen sind zu müde, um nach einem Liebespartner zu suchen (Florian Rötzer, Telepolis, 06.12.2017)

Heirate Dich selbst - Japans einsame Frauen | Journal Reporter {12:11}

Veröffentlicht am 11.05.2014
DW Deutsch
Eine Reportage von Oliver Mojen
Japan könnte aussterben - dieses Schreckgespenst plagt derzeit die japanische Politik. Grund dafür: Immer weniger Japaner finden den Weg vor den Traualtar. Viele Frauen sind in den letzten Jahren selbstbewusster geworden, wollen sich auch im Job beweisen. Die Männer hingegen träumen noch immer von einer Partnerin, die nach der Hochzeit ganz für den Haushalt und die Familie da ist.
Mehr Journal-Reportagen: http://www.dw.de/programm/journal/s-3...

[Doku] Einmal noch die große Liebe - Langzeitsingles auf der Suche [HD] {28:33}

Veröffentlicht am 15.03.2017
MegaDokusHD
Sie sind sympathisch, attraktiv und haben die Hoffnung auf die große Liebe keineswegs aufgegeben. Doch warum finden Esther (44), Viola (34) und Elke (60) keine passenden Partner? "37 Grad" begleitet die drei Frauen, die seit vielen Jahren Singles sind.